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C. N. Brekenfeld, Heilpraktikerin für Psychotherapie | mail@christine-brekenfeld.de

Ja zum Tod und Ja zum Leben

Obwohl medial geradezu überpräsent, spielt der Tod für die meisten Menschen in der Wahrnehmung des eigenen Lebens kaum eine Rolle. Auch ich habe mich um dieses scheinbar ferne Thema lange herumgedrückt – bis es sich mit Gewalt seinen Weg gebahnt hat. Diese Erfahrung hat mir die Augen – und die Seele – dafür geöffnet, welches enorme spirituelle Potential für das Leben im Anerkennen der eigenen Sterblichkeit liegt.

Leben & Sterben –
In der Begegnung mit dem Tod das Leben neu entdecken

Das Leben hat seinen ganz eigenen Rhythmus

Es kommt, und es geht. Dieser Rhythmus ist über den Atem und Herzschlag spürbar. Und auch durch das feine Strömen und Vibrieren der Lebensenergie, die durch dich hindurch fließt.
Der körperliche Tod und die Geburt sind die einzig sicheren Tatsachen des Lebens. Geboren bist du schon, du bist auf der Welt, du hattest keine Wahl. Im Leben geht es jetzt darum, dich der einzigen Tatsache, die sicher noch auf dich zukommen wird, ebenfalls zu stellen: dem Tod.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit

In der Begegnung mit dem Tod kannst du das Leben neu entdecken. Wenn du bereit bist, in jedem möglichen Augenblick den Tod anzunehmen, wann auch immer er auf dich zukommt, dann wird das Leben wichtiger, lebendiger und authentischer. Deshalb kann es eigentlich keinen ernst zu nehmenden Weg des persönlichen oder spirituellen Wachstums geben, in dem diese Auseinandersetzung mit dem eigenen Sterben nicht eine zentrale Rolle spielt.

Der Tod eines jeden Augenblicks

Sich dem Tod zu stellen, bedeutet nicht, ein Erklärungsmuster heranzuziehen. Es geht weder darum zu sagen: »Ich habe keine Angst vor dem Tod«, noch darum zu sagen: »Ich wünsche mir den Tod, dann ist endlich alles vorbei«. Sich dem Tod zu stellen, bedeutet, nichts zu wissen, nichts zu haben, keine Pläne, keine Kontrolle. Der Tod ist in jedem Moment erfahrbar als das innere Nichts, die innere Bodenlosigkeit, auch als der Tod eines jeden Augenblicks, der doch unendlich ist, obwohl er so schnell auf- und wieder untertaucht.

Nahtoderfahrungen & andere Grenzerfahrungen

Keine Angst mehr vor dem Leben

Meine eigene Nahtoderfahrung war nicht das Ende, sondern der Anfang für eine ganz einzigartige Reise mitten in das Leben und die Lebendigkeit hinein. Sie hat mich auf eine neue Lebensspur gebracht. Die Angst vor dem Tod habe ich seither verloren, aber was noch viel schöner ist:  Ich habe keine Angst mehr vor dem Leben.

Was ist eine Nahtoderfahrung?

Nahtoderfahrungen sind nicht nur Phänomene unserer Zeit. Erfahrungen dieser Art werden schon seit Jahrtausenden in allen Kulturen beobachtet und dokumentiert. Seit einigen Jahrzehnten gibt es umfangreiche Forschungen auf diesem Gebiet. Menschen, die eine solche Erfahrung erleben, berichten von einem als tiefgreifend empfundenen Erleben an der Grenze zwischen Leben und Tod. Dieses Erleben hat sowohl körperliche und psychische als auch transzendente Elemente, z. B. eine außerkörperliche Erfahrung, eine Veränderung der ICH-Vorstellung und eine Ausdehnung des Raum- und Zeitgefühls über die sinnliche Wahrnehmung hinaus, bis hin zu einer Einheitserfahrung.

 

In welchen Situationen ist ein Nahtoderlebnis möglich?

Herausgestellt hat sich bei den Forschungen, dass nicht nur Menschen in einer lebensbedrohlichen Situation eine NTE erleben können, sondern Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenslagen. So berichten Menschen davon, die glaubten, sterben zu müssen. Andere haben eine solche Erfahrung in der Begleitung Sterbender, und wiederum andere erzählen von einem solchen Erleben während einer inneren Einkehr oder Meditation.

Hat eine Nahtoderfahrung mehr mit dem Leben als mit dem Tod zu tun?

Die Entdeckungen, in wie unterschiedlichen Situationen NTEs auftreten können, finde ich ganz erstaunlich. Sie werfen für mich zentrale Fragen auf: Gehört eine Nahtoderfahrung eher zum „Jenseits“, oder ist sie dem Leben zuzuordnen? Wie sehr kommt es auf die tatsächliche Nähe des Todes an? Hat eine solche Erfahrung vielleicht vielmehr mit dem Leben als mit dem Tod zu tun? Könnte sie deshalb nicht für alle Menschen bedeutsam sein?

Die spirituelle Dimension

Verschiedene Forscher, aber insbesondere der anerkannte Mediziner und ausgewiesene Experte im Bereich er Nahtodforschung Pim van Lommel, vermuten, dass es auch andere Wege zu einer solchen Erfahrung gibt. Es ist also nicht nötig, fast zu sterben, um die Tiefe und Endlosigkeit des menschlichen Bewusstseins zu erfahren. Eine Nahtoderfahrung ist nur ein möglicher Zugang dazu. Mir fällt aber in meiner Arbeit immer wieder auf, dass es Menschen mit einer Nahtoderfahrung deutlich leichter fällt, ihre spirituellen Erfahrungen weiter zu vertiefen, als Menschen, die sich aus freien Stücken auf den spirituellen Weg machen. Nahtoderfahrene haben die wesentlichen Dimensionen der tieferen spirituellen Erfahrungen bereits erkannt und können deshalb darauf aufbauen.

Eigene Forschung

Genau aus diesem Grund wurde am Berliner Karen-Horney Institut e. V. das Forschungsprojekt »Phänomenologie und therapeutische Nachsorge von Nahtoderfahrungen und spirituelle-mystischen Erfahrungen« von mir mitinitiiert und geleitet, das derzeit in Kooperation mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin ausgewertet wird.

Wie kann ich mit dieser Erfahrung weiterleben?

Die therapeutische Nachsorge steht auch deshalb bei meiner Arbeit mit im Fokus, weil sich viele Menschen, die eine NTE erlebt haben, unverstanden fühlen. Die Sehnsucht, wieder ganz in dieses Erleben zurückzufinden, ist sehr groß. Viele fragen sich: Wie kann ich mit dieser Erfahrung weiterleben? Und wie kann ich diese Erfahrung in mein Leben integrieren? Hinzu kommt häufig ein geschwächter Körper und eine traumatische Belastung. Das Angebot an qualifizierter Unterstützung für Nahtoderfahrene ist bisher sehr überschaubar. Und es fehlt dafür bisher ein praktischer Ansatz.

Was ist für eine gute Integration notwendig?

In meinem eigenen Nahtoderlebnis hatte ich das Gefühl, „zu Hause angekommen zu sein“. Der Wunsch, dort wieder hinzufinden, war danach überwältigend. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass dem einige Hindernisse im Weg standen und wie wichtig es ist, die Integration einer Nahtoderfahrung auf drei Ebenen ganzheitlich zu begleiten und zu unterstützen:

  • Auf der Ebene der Persönlichkeitsentwicklung
  • Auf der Ebene des Körpers
  • Auf der Ebene der spirituellen Entwicklung

Einerseits können sich so die Veränderungen, die eine Nahtoderfahrung mit sich bringt, auf der Persönlichkeitsebene und auf der körperlichen Ebene in das Leben integrieren. Das nenne ich die Vertiefung im Leben. Andererseits kann sich die Sehnsucht erfüllen, wieder ganz zu dieser Erfahrung zurückzufinden. Das nenne ich die Vertiefung in der Transzendenz.

Aufwachen – In der Stille zu Hause sein

Die Sehnsucht nach innerer Freiheit

Schon seit Jahrtausenden begeben sich Menschen auf eine innere Suche – und oft ist nicht wirklich klar, wonach sie eigentlich suchen. Allen gemein sind die grundsätzlichen Fragen: Wer bin ich? Was ist der Sinn meines Daseins? Materieller Besitz und menschliche Beziehungen machen das Leben zwar abwechslungsreich, geben aber keine Antworten auf diese grundsätzlichen Fragen. Von den meisten Menschen höre ich, dass ihr größter Wunsch ist, glücklich zu sein, lebendig und frei.

Das Streben nach innerem Wachstum als natürliche Bewegung des Lebens

Der Mensch ist spirituell. Ein Streben nach innerem Wachstum in Richtung Ganzheit und die Entdeckung des eigenen wahren Potentials erlebe ich als menschliches Grundbedürfnis. Eine ganz natürliche Bewegung, die zum Leben gehört. Die Antworten auf die aufgeworfenen Fragen lassen sich nicht im Außen, sondern nur im Innen finden. Jeder Mensch geht hier seinen ganz eigenen Weg.

 

Was bedeutet Aufwachen oder Erwachen?

Der Weg dieser innere Suche hat das Ziel, zu erkennen wer man selbst jenseits der Begrenzung des Körpers und unabhängig von äußeren Umständen ist. Für diese Art der Erfahrung werden je nach spirituell-mystischer Tradition die Begriffe Erwachen, Aufwachen, Erleuchtung, Selbst-Verwirklichung, Selbst-Erkenntnis oder innere Freiheit verwendet. Gemeint ist eine grundlegende Transformation des Seins. Eine tiefere Wirklichkeit, die unter dem bisher wahrgenommenen Alltagsbewusstsein liegt. Dazu gehört die Stille des Verstandes und der Gedanken. Erst in dieser Stille ist es möglich, sich selbst in Frieden und Liebe zu erfahren. Zugleich verschwindet auch die gewohnte Vorstellung von sich selbst, in der man sich getrennt und begrenzt wähnt.

Für wen ist Erwachen möglich?

Erwachen ist eine Gnade. Noch vor einigen Jahrzehnten schien es so, als ob diese Gnade nur einigen wenigen Auserwählten vorbehalten sei. In den letzten Jahren sieht es jedoch so aus, als hätte sich das verändert. Sowohl auf Seminaren und Retreats, die ich besuchte, als auch in meinen eigenen Veranstaltungen und in meiner Praxis habe ich diesen Prozess vielfach miterlebt. Einige zeitgenössische spirituelle Lehrer berichten ebenfalls davon, dass dieser Transformationsprozess bei ihren Schülerinnen und Schülern immer häufiger geschieht.

Mehr und mehr Menschen erzählen von einer solchen Erfahrung – in unterschiedlicher Dauer, Intensität und Tiefe. Sie erleben sie als Ergebnis intensiver innerer spiritueller Arbeit oder durch eine Nahtoderfahrung oder ähnliche Grenzerfahrungen, manche aber auch spontan – es ist ein »Aufwachen« aus ihrer bisher gewohnten Vorstellung von sich (der Ich-Vorstellung) und aus einer begrenzten Wahrnehmung der Welt.

Mich freut diese Entwicklung außerordentlich. Innere Freiheit geht mit innerem Frieden einher, und was könnte die Welt mehr gebrauchen als das?

Falsche Erwartungen an das Aufwachen

Die zunehmende Anzahl von Aufwach-Erfahrungen erzeugt aber auch eine Vielzahl von Vermutungen, Erwartungen und unausgegorenen Hypothesen, wie sich eine aufgewachte Person zu verhalten und zu fühlen habe. So höre ich immer wieder die Idee, der aufgewachte Zustand würde die Menschen von sämtlichen Gefühlsregungen befreien, die von noch nicht Erwachten als negativ beurteilt werden: Zorn, Wut, seelischer Schmerz und Traurigkeit über das, was im Leben geschieht. Als seien Unglück und Unzufriedenheit ab diesem Zeitpunkt automatisch abgestellt, als würde ein Erwachter über all den Dingen stehen, die er bis dahin weit von sich fortgeschoben hatte.

Die Wahrheit schließt jedoch alles mit ein: das, was uns zugemutet wird, und das, was uns geschenkt ist. Erwachen ist ein Sich-Öffnen für die Wahrheit und nicht die Suche nach der scheinbar angenehmsten Lösung. Auch der Erwachte erlebt alle Gefühle des menschlichen Daseins. Aber er ist zur selben Zeit in einem tiefen Erfülltsein gegründet und ohne Urteil über das, was er erfährt. Von diesem Erfülltsein aus erlebt er alle Gefühle sogar in einer größeren Intensität, weil er sich nicht dagegen sperrt und weil er nicht mehr negative und positive Gefühle unterscheidet – sie sind gleichermaßen Bestandteil der Lebendigkeit. Weil er Handlungen, Gefühle und Bedürfnisse als etwas erlebt, was ist, und nicht als etwas, das ein »Ich« gemacht hat, kann er sich freuen über etwas, das gut gelingt, und bedauern, was schiefgelaufen ist. Er hat aber niemals die Idee, dass »er« etwas falsch gemacht oder an etwas Schuld habe, genauso wenig wie er glaubt, dass er großartig sei. Keine Selbstverurteilung, kein Besonderssein, kein Großartigsein und vor allem: kein Großartigsein-Müssen.

Wer glaubt, dass er »erwachter oder aufgewachter« als andere sei, überschätzt die eigene Erfahrung vollkommen. Denn er offenbart, dass er innerlich noch keine Freiheit gewonnen hat. Vielmehr zeigt sich die alte, abgrenzende Ich-Vorstellung nur in einem neuen Kleid. Sich wirklich für die Gnade zu öffnen, ist erst dann möglich, wenn man keinen Vorteil mehr für sich selbst will.

Es kommt also nichts hinzu, sondern es fällt etwas weg. Erwachen bedeutet nicht eine Rückkehr ins Paradies, sondern ein noch viel tieferes Paradies in sich selbst neu zu entdecken: ein authentisches, lebendiges Sich-selbst-Finden mitten im Leben.

Verschiedene Stufen des Erwachens

Die angesprochenen Missverständnisse entstehen auch dadurch, dass in dem Begriff des Aufwachens verschiedene Erfahrungen unterschiedlicher Tiefe durcheinander gebracht werden. Deshalb sind folgende Unterscheidungen nötig:

Zeitlich begrenzte Aufwacherfahrungen
Am häufigsten und problematischsten ist die Verwechslung von zeitlich begrenzter Erfahrung und dauerhaftem Sein, manche nennen es auch die Verwechslung von Zustand und Struktur.

Sehr häufig hat jemand einen Moment lang, für Minuten, Stunden, Tage oder auch längere Zeiträume, Einblick in diesen wahrhaftigen Zustand des Seins. Das Bewusstsein weitet und vertieft sich eine Zeit lang und zieht sich dann wieder zusammen, die gewohnte Vorstellung von sich selbst (Ich-Vorstellung) ist wieder präsent oder teilweise präsent. Das ist aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange, sondern erst der Auftakt für einen weiteren inneren Prozess.

Es sind also zeitlich begrenzte Erfahrungen, die als eine Vorstufe des aufgewachten Seins gesehen werden können. Als würde die Wolkendecke aufreißen und die Sonne sich kurz zeigen. Dann sagen wir, die Sonne scheint jetzt. Verdichten sich die Wolken aber wieder, sagen wir, die Sonne scheint nicht. Aber eigentlich stimmt das nicht, denn die Sonne scheint immer, wir können sie nur nicht immer sehen.

Wer einmal diesen Einblick bekommen hat, den hat es erfasst. Denn ab diesem Augenblick weiß der Mensch, dass eine solche Erfahrung möglich ist. Das bedeutet, dass er sich an diesen Zustand erinnert, ihn aber nicht in jedem Augenblick erfährt.

Anhaltendes Aufwachen
Der Augenblick des Erwachens an sich kann in unterschiedlicher Intensität und Tiefe erlebt werden. Die meisten erzählen davon, durch existenzielle Ängste und einen inneren Abgrund gefallen zu sein. Von diesem inneren Abgrund sprechen auch schon die alten Mystiker. Johannes Tauler, ein Schüler Meister Eckharts, beschrieb im ?ten Jahrhundert eine Weite, die sich in dem Abgrund zeigt und die keine Form besitzt. Es gibt kein Hier noch Dort, denn es ist ein unergründlicher Abgrund, der in sich selbst schwebt, ohne Grund.

Infolgedessen sind die eingangs beschriebenen Erfahrungen nicht mehr von begrenzter Dauer, sondern sie halten an. Stille, Frieden, Freiheit und Einssein werden als eine neue Wirklichkeit und wahrhaftige Seinsweise erfahrbar. Damit findet ein innerer Perspektivwechsel statt hin zu Sat-Chit-Ananda, wie es im Sanskrit heißt: Leere, reines Bewusstsein und Liebe oder Glückseligkeit.

Vertiefung und Integration des Aufwachens
Der Moment, in dem der beschriebene Perspektivwechsel, das Aufwachen, anhaltend geschieht, ist wiederum der Anfang einer tieferen Entwicklung. Es ist ein Erfahren des Seins in diesem einen und doch unendlichen, bodenlosen Augenblick. Und selbst dieser Zustand kann von begrenzter Dauer sein und sich wieder umkehren. Die alte Ich-Vorstellung kann wieder greifen, die Wolkendecke zieht sich zu.

Deshalb ist es wesentlich, auch nach dem Erwachen aufmerksam und achtsam an der Vertiefung und Integration der Erfahrung zu arbeiten und ihr vor allem Zeit zu geben, der »Realisation des Erwachens«. Das aufgewachte Sein hat viele weitere Ebenen, es geht immer tiefer und tiefer, ohne Ende. Es gibt nichts zu erreichen, und dennoch ist es wesentlich, wachsam für die eigene Entwicklung zu bleiben.

Verschiedene Wege zum Aufwachen

Im Hinduismus, im tibetanischen Buddhismus, in der Philosophie des alten Griechenlands, in der alten jüdischen Mystik und im islamischen Sufismus, aber gerade auch in der christlichen Tradition, in den Schriften der alten Mystiker, wird in verschiedenen Formulierungen vom Erwachen gesprochen. Daher ist es aus meiner Sicht wichtig, sich gewahr zu sein, dass kein Weg und keine Methode die Wahrheit selbst ist, sondern nur einen Zugang zu ihr vermittelt.

Zwei unterschiedliche Ansätze

In der Herangehensweise aller spirituell-mystischen Traditionen möchte ich zum besseren Verständnis ganz grob zwei Ansätze gegenüberstellen. Ich folge hier einer klärenden Unterscheidung, die Christian Meyer entwickelt hat. Die beiden Ansätze bestehen natürlich nicht vollständig getrennt voneinander, sondern fließen je nach Tradition auch ineinander.

Diszipliniertes Üben

Ein Ansatz ist der Weg des disziplinierten Einübens von Verhaltensweisen – etwa in manchen Meditationen, die die Kontrolle des Geistes und des Körpers zum Ziel haben, zum Beispiel durch die Konzentration auf den Namen Gottes über einen längeren Zeitraum oder durch ein kurzes Gebet, das in einem bestimmten Rhythmus den ganzen Tag über innerlich gesprochen wird. Diesen Beispielen ist gemein, dass dem, was in dir im Hier und Jetzt ist, noch etwas hinzugefügt wird, um die Ausrichtung auf spirituell Höheres zu verstärken. In der Regel ist man bei diesem Ansatz mehr der Beobachtende als der Erfahrende. Damit ist gemeint, dass alles, was innerlich auftaucht – seien es Gedanken, Empfindungen des Körpers oder Gefühle – aus der Distanz betrachtet wird. In diesem Ansatz ist die Idee grundlegend, dass der neue Zustand des Erleuchtetseins durch das Einüben von Stillsein und meditativer Zustände entsteht und auch durch das Einüben aufrechtzuerhalten ist.

Bedingungslose Hingabe

Bei dem anderen Ansatz geschieht die Veränderung durch eine innere Haltung der Hingabe. Ausgangspunkt ist hier die Einsicht: Wir sind Liebe, Leere und Bewusstsein. Sie sind lediglich verdeckt von unseren Vorstellungen, Gewohnheiten und Gedanken. Damit sie erfahren werden können, ist ein vollständiges Loslassen dessen nötig, was ihrer natürlichen Entfaltung im Weg steht. Es geht also darum, Hindernisse aus dem Weg zu räumen wie falsche Vorstellungen, festsitzende Muster oder Konzepte über sich selbst und über die Welt. Die vorbehaltlose Hingabe an das, was in diesem Augenblick ist, führt letztendlich zur Erkenntnis des Einsseins mit allem und kann so die Öffnung für die Gnade des Aufwachens bedeuten.

Interessanterweise findet sich dieser zweite Weg sowohl in westlichen als auch in östlichen Weisheitstraditionen wieder – bei den christlichen Mystikern, in der Tradition des Advaita-Vedanta (ein eigenständiger Weg innerhalb der indischen Mystik zum »Erwachen«, der wortwörtlich »Die Vollendung des Wissens durch die Nicht-Zweiheit« bedeutet), und auch in einigen zenbuddhistischen Richtungen. Am prägnantesten findet sich dieser Ansatz in der westlichen Mystik bei Meister Eckhart und Johannes Tauler, in der östlichen Mystik bei Ramana Maharshi.

Der Weg der inneren Erfahrung nach Christian Meyer

Der »Weg der inneren Erfahrung«, so wie ich ihn von Christian Meyer gelernt habe, folgt dem letzteren Ansatz. Sein Herzstück sind die sieben Dimensionen des persönlichen und spirituellen Wachstums, die sich in den sieben Schritten des Loslassen wiederfinden (siehe hierzu meine Empfehlungen in der rechten Spalte).

In den sieben Dimensionen verbindet Christian Meyer die Arbeit in der Tradition von Ramana Maharshi und die Lehre der christlichen Mystiker mit Erkenntnissen der modernen Psychotherapie. Damit bekommt die innere Suche und die Beseitigung von inneren Hindernissen eine klare Ausrichtung:

  1. Deine Bedürfnisse und Ziele erkennen
  2. Bereit sein, alles zu fühlen und zu erfahren, was im gegenwärtigen Augenblick auftaucht
  3. Einen liebevollen inneren Zuschauer entwickeln
  4. Die inneren Muster deines eigenen Lebens erkennen
  5. Den Körper auf allen Ebenen (muskulär, zellulär, energetisch) loslassen und Anspannungen auflösen
  6. Dich mit der Vergangenheit aussöhnen
  7. Dem Tod und der Angst vor dem Tod begegnen

Die Bedeutung der Gefühle

Bei dem »Weg der inneren Erfahrung« geht es um das Loslassen von alten Ideen, Vorstellungen und Mustern und um die Hinwendung zum gegenwärtigen Augenblick. Das Besondere dieses Weges ist, sich dem, was im gegenwärtigen Augenblick auftaucht, nicht nur beobachtend, sondern fühlend und erfahrend zuzuwenden. Die Gefühle sind dabei der innere Wegweiser.

Wer loslässt, erfährt ganz den Augenblick

In fast allen spirituellen Wegen ist die Aufforderung enthalten, das anzunehmen, was jetzt ist. Damit ist gemeint, sich ganz dem Augenblick hinzugeben. Es ist zunächst gar nicht so einfach zu verstehen, was genau mit »Jetzt« oder »Augenblick« gemeint ist. Denn vielen Menschen ist der gegenwärtige Augenblick nicht wirklich bewusst.

Deshalb ist die zentrale Frage: »Wessen bin ich mir jetzt gerade bewusst?«

Mit dieser Frage wendest du dich innerlich dem zu, was im gegenwärtigen Augenblick bei dir auftaucht. Du spürst, lauschst und fühlst quasi dein Inneres und deinen ganzen Körper durch, wie eine Art Scan. Dabei ist eine innere Orientierung wichtig: »Handelt es sich bei dem, dessen ich mir gerade bewusst bin, um Gedanken, Sinneswahrnehmungen, Körperempfindungen, Stimmungen, Gefühle oder tiefere Erfahrungen?«

Der gegenwärtige Augenblick, das »Jetzt«, ist sozusagen das Eingangstor, durch das wir entdecken, worauf sich unsere Sehnsucht richtet: auf das, was wir wirklich sind.

 

Veranstaltungen

Verschiedene Veranstaltungsformate bieten dir die Möglichkeit, mich und meine Arbeit ganz nach deinen Bedürfnissen kennenzulernen.

  • Erfahrungsabende
  • Einführungs-Seminare
  • Intensiv-Seminare
  • Retreats
  • Bewusstheitsgruppe
  • Externe Veranstaltungen
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